Jänner

Das Jahr begann sehr vielversprechend. Ich hatte viele Vorsätze, Pläne und Ideen, ich fühlte mich kraftvoll, war energiegeladen und startete mit einem guten Optimismus ins neue Jahr. Aber nach 13 Tagen war es mit dem Höhenflug schon zu Ende, denn ich erkrankte an der echten Grippe.
Ich fühlte mich elend, das Fieber stieg bis auf 39 Grad und wollte und wolle nicht sinken. Das Wetter war unerwartet mild für den Jänner und ich empfand es als sehr unangenehm , im Bett liegen zu müssen,  während die Wintersonne ins Zimmer schien.
Ich bewege mich gerne an der frischen Luft, aber jetzt war ich verurteilt, das Bett zu hüten. Wobei ich sagen muss, dass meine Krankheiten mir immer die Möglichkeiten gaben, nachzudenken, in mich zu gehen, Resumee zu ziehen über die Vergangenheit und neue Herangehensweisen für Probleme zu finden.

Aber nie hätte ich damit gerechnet, dass ich mit einem Problem konfrontiert werden würde, das mir fast den Boden unter den Füßen weggezogen hätte.
Meine 89 jährige Mutter erlitt einen sehr schweren Schlaganfall. Obwohl sie sofort ins Krankenhaus gebracht wurde und alle Untersuchungen  gemacht wurden, die die Ärzte für notwendig erachteten, konnte man ihr nicht so  helfen, dass sich ihr Zustand gebessert hätte. Sie blieb linksseitig gelähmt, konne nicht sprechen und auch nicht schlucken.
Als die Rettungsmänner meine Mutter aus ihrer Wohnung trugen, konnte ich in ihren Augen die Aussichtslosigkeit ihres Zustandes, das Erkennen ihrer Hilflosigskeit und auch die Gewissheit lesen, dass sie nie mehr nach Hause zurück kommen würde.

Eine Ära war zu Ende gegangen. Meine beiden alten Eltern die über mir wohnen, gab es in dieser für mich gewohnten Form nicht mehr. Sie, die während ihrer 63 –  jährigen Ehe nie getrennt gewesen waren,abgesehen von drei Kuraufenthalten meiner Mutter, mussten nun jeder ohne den anderen auskommen. Sogar meine Katze fühlte den Verlust. Unsere Katze verbrachte fast den ganzen Tag in der Nähe meiner Mutter, denn sie liebt Katzen über alles, so wie sie überhaupt jedes Tier in ihr Herz geschlossen hat.

Unsere Familie rechnete damit, dass meine Mutter sterben würde… so schlecht war ihr Zustand!  Sie bekam die letzte Ölung und mein Vater saß rührend während der ganzen Besuchszeit, und diese war von 13 Uhr bis 20 Uhr, an ihrem Krankenbett. Aber, welch Wunder, nach fünfTagen hatte sie sich so gut erholt, dass sie von der Intensivstation in ein Krankenzimmer verlegt werden konnte.
Sie kann  zwar nicht sprechen, nicht  schlucken und auch die linke Seite ist weiterhin gelähmt, aber ihre Lebensgeister sind bis zu einem gewissen Grad wieder da.
Man kann sich nun die Frage stellen: ist so ein Leben lebenswert?
Aber wenn ich den Glanz in den müden Augen meiner Mutter sehe, wenn sie meinen Vater sieht oder auch uns Kinder (wir sind 3), wenn ich ihr Lächeln sehe, welches wieder auf ihrem Gesicht erblüht, zwar nicht so oft wie in ihrer gesunden Zeit aber doch immer wieder, dann kann ich nur sagen:
Ja!