Nach den Aufregungen des letzten Jahres war ich einmal froh, das neue Jahr etwas geruhsamer beginnen zu können. Auch die Kontrolluntersuchung im Jänner würde ausbleiben, hatte ich doch erst im November des vergangenen Jahres eine MRT Untersuchung in Linz an mir vornehmen lassen.
Ich nahm sehr regelmäßig meine Q- Potenzen, die mir mein homöopathischer Arzt aus der Schweiz schickte. In Abständen von 2 Wochen bekam ich mit der Post 3 Globuli oder auch nur mehr den Staub davon in kleinen Papiertütchen zugeschickt. Diese leerte ich dann in einer fast heiligen Handlung in eine 150 ml fassende Glasflasche. Ich stellte die Flasche dann in meine Altarecke (ja, ich habe so etwas in meiner Wohnung) und hoffte, dass die gute Energie dieses Platzes auch auf meine Medizin eine Wirkung haben würde.
Wenn ich dann jeden Abend einen Löffel dieser Flüssigkeit in meinen Plastikbecher füllte, sagte ich beim Umrühren immer Segenswünsche mit hinein.
Mit meiner Ernährung war ich auch sehr konsequent. Auf Zucker verzichtete ich weitgehend. Den Hunger nach Süßem stillte ich mit Rosinen, Datteln und Feigen und ab und zu mit einem Kuchenstück, hergestellt aus Vollkornmehl und Birkenzucker oder Honig. Mein liebes Schwesterlein versorgte mich mit diesen Köstlichkeiten bei allen Familienfeiern.
Worauf ich wirklich nicht verzichten wollte und konnte war Brot. Ich hatte im Internet recherchiert und dort wurde krebskranken Personen geraten, Brot bei der Ernährung wegzulassen. Ich reduzierte zwar meinen Brotkonsum aber ganz ohne Brot ging es nicht.
Ich merkte an meiner Gesamtkonstitution, dass mir die Ernährungsumstellung sehr gut tat.
Anfang Juni war eine nächste Kontrolluntersuchung in Linz anberaumt. Schon die Fixierung des Untersuchungstermins bereitete mir Stress.
Auch dieses Mal begleitete mich eine liebe Freundin dorthin, da mein Mann sich von seiner Arbeit nicht frei machen konnte. Alleine wollte ich auf gar keinen Fall fahren und ich bin sehr beglückt, so gute Freundinnen zu haben, die mir in meinen schweren Zeiten immer hilfreich zur Seite standen.
Bei der Befundbesprechung noch am gleichen Tag, teilte mir mein Arzt mit, dass das“ Ominöse Etwas“ in meiner rechten Brust sich um einen Millimeter vergrößert hatte und dass er dieses sehr gerne abklären würde, was nur im Zuge einer Operation möglich war.
Also schon wieder wurde mir zu einem chirurgischen Eingriff geraten.
Der Arzt erklärte mir ausführlich, wie die Operation vor sich gehen sollte. Da man nicht wusste, was sich da in meiner rechten Brust befand, (Tumorgewebe, ein abgekapselter Tumorherd oder auch nur ein Lymphknoten), riet mir der Arzt, dass, wenn es sich um Tumorgewebe handeln sollte, mir die rechte Brust abnehmen zu lassen. Ich stimmte schweren Herzens zu und fixierte einen Operationstermin in Linz für den 19. Juni.
Es ist nie gut, keine Zeit zum Überlegen zu bekommen. Man wird so überrannt von den Fakten und aktuellen Tatsachen, dass man nur Kopfentscheidungen treffen kann, dabei sind die Bauchentscheidungen so wichtig, zumindest für mich. Ich hatte im letzten Jahr immer wieder meinen Bauch und mein Herz sprechen lassen und bin damit nie schlecht gefahren. Nun, diesmal war es mir nicht möglich, denn mein Arzt wollte eine Antwort auf seinen Vorschlag und das sofort.
Bei der Heimfahrt waren meine Freundin und ich zuerst einmal sprachlos vor Entsetzen. Stumm saßen wir eine Zeit lang nebeneinander im Zug. Wie war ich froh, dass ich nicht alleine den ganzen Weg von Linz nach Graz fahren musste, sondern die tröstende Hand meiner Freundin in meiner spürte.
Meinen Mann hatte ich schon per Telefon vorgewarnt, was ihn zu Hause erwarten würde. Eine verzweifelte, in ihren Grundfesten erschütterte Frau. Aber bis wir zu Hause angekommen waren, hatte sich mein Gemütszustand schon wieder etwas beruhigt. Ich hatte mit meiner Freundin nach dem ersten Schock dann doch ausführlich über alles gesprochen und Reden tut immer gut, weil sich die Gedanken im Kopf, die anfänglich nur schleierhaft im Gehirn herumgeistern, durch ein Gespräch in fassbare Bahnen leiten lassen.
Vor jeder Kontrolluntersuchung war ich so zuversichtlich, dass sich mein Zustand gebessert haben würde. Aber bis auf den November im vergangenen Jahr bekam ich nur Hiobsbotschaften. Und diese Botschaften erschütterten mein Vertrauen in meine Heilung immer sehr.
Ich arbeitete so viel mit mentalen Hilfsmitteln, ich visualisierte und ich besprach meine kranken Zellen.
Zu diesem Zeitpunkt wollte ich sie aber vernichten und aus meinem Körper entfernt haben und ich wusste noch nicht, dass ich meine Krebszellen auch lieben könnte und dürfte und mir vorstellen konnte, sie wie meine Kinder in den Arm zu nehmen- das sollte ich erst im Jahre 2016 erfahren.
Nun gut, der Termin stand fest. 19. Juni! Bis dahin hatte ich noch gute 2 Wochen und diese nützte ich einmal, indem ich mit meinem Mann und unseren 2 jüngsten Enkelbuben nach Italien fuhr. Die beiden waren zu diesem Zeitpunkt drei und vier Jahre alt. Sie sind so allerliebst und immer, wenn ich mit ihnen zusammen war, brachten sie mich auf andere Gedanken und ich vergaß für eine kurze Zeit, dass ich eigentlich schwer krank war. So auch in diesem Urlaub.
Natürlich kreiste das Gespenst „Operation“ in meinem Kopf herum, aber ein paar Stunden waren mir gegönnt, in denen ich mich wie eine Großmama fühlen durfte, ganz ohne das Damoklesschwert Krankheit über mir zu haben.
Ich hatte noch vor dem Italienurlaub meinem Arzt in der Schweiz geschrieben und ihn gebeten, mir seine Meinung zu dem mir bevorstehenden Ereignis mitzuteilen. Aber ich wartete vergebens. Keine Nachricht! Was war los mit meinem Arzt? War ihm mein Anliegen nicht wichtig? Wusste er auch keinen Rat? Hatte er gekündigt? War er eventuell sogar gestorben?
Solch abstruse Gedanken gingen mir durch den Kopf.
Nach dem Enkelkinderurlaub zog ich mich wieder einmal in unser Almhaus zurück. Ganz mit mir allein und ohne Ablenkung von außen, wollte ich eine Entscheidung finden, denn ich war mir nicht mehr sicher, ob meine Zustimmung zur Operation nicht nur aus der momentanen Situation entstanden war und diese Vorgehensweise für mich und meine Heilung gar nicht richtig sein würde.
Immer musste ich eine Wahl treffen. Niemand konnte mir das abnehmen. Und das wollte ich ja auch gar nicht. Ich war ganz allein für mich verantwortlich. Ich gehörte nicht zu diesen Patientinnen, die ins Krankenhaus gehen, vor einem Arzt sitzen und von einer Minute auf die andere ihre ganze Identität abgeben und nur mehr den Arzt machen lassen.
Manchmal wäre dies einfacher, vor allem ist man dann ein gern gesehener Patient. In meinem Fall war ich kompliziert, unbequem, wollte so vieles wissen, stellte fast alles in Frage, was mir von Seiten der schulmedizinischen Ärzteschaft geraten wurde und fiel aus dem Rahmen.
Aber so war ich nun mal und ich bin froh darüber. Durch diese meine Krankheit, hatte ich auch zu mir und zu meiner Stärke gefunden. Und das fühlte sich großartig an!!
Umgeben von Tannen, Fichten und Föhren, dem Gesang der Vögel und dem Summen der Bienen, wurde mein Kopf immer klarer und ich konnte mein Herz wieder hören. Und so beschloss ich, mich nicht operieren zu lassen. Mein Entschluss stand fest!
Ich hatte alles abgewogen, jedes Für und auch Wider, aber unter dem Strich blieb nichts anderes übrig! Eine Operation war für mich einfach nicht der richtige Weg.
Und plötzlich, wie vom Himmel gefallen, war auch mein Arzt wieder mit von der Partie! Er war eine Woche sehr krank gewesen, es sei ihm gar nicht gut gegangen sagte er mir. Ja auch Ärzte sind nicht davor gefeit, einmal zu erkranken.
Bevor ich ihm noch meinen Entschluss mitteilte, meinte er, dass eine Vergrößerung dieses „Ominösen Etwas“ in meiner Brust um einen Millimeter in seinen Augen und auch in den Augen seiner Kollegen, denn mit diesen hatte er sich besprochen, kein Grund sei, eine Operation anzusetzen.
Mir fiel natürlich ein ganzer Felsen vom Herzen, hatte ich nun die Bestätigung dieses Menschen bekommen, der für mich am kompetentesten war und dem ich absolut vertraute.
So beschlossen mein Mann und ich, eine Pilgerreise nach Assisi zu unternehmen. Wir starteten am 18. Juni und auf der Fahrt telefonierte ich mit meinem Arzt in Linz und bat ihn, den Operationstermin zu stornieren. Er meinte in sehr freundlichem Tonfall:
„Ich habe mir fast gedacht, dass ich von Ihnen einen Anruf dieser Art bekommen werde. Sehen wir uns also im Jänner 2014 wieder und schauen, wie sich ihr Befund bis dorthin verändert hat.“
Das hatte ich also auch erledigt. Der Anruf war mir wie ein Stein im Magen gelegen.
Aber die Reaktion des Arztes zeigte mir wieder, dass ich von mehreren Seiten gut betreut war und ich interpretierte die ganze Angelegenheit so, dass der Himmel und alle in ihm lebenden Wesen auf meiner Seite waren.
Unsere erste Station war nicht Assisi, die von uns so geliebte Stadt, sondern La Verna, dieser Berg, wo Franziskus, 2 Jahre vor seinem Tod, im Jahr 1224 die Wundmale Christi empfangen hat. Ich glaube, dass wir heute keine Wundmale mehr brauchen, um uns mit Jesus und seiner Lehre verbunden zu fühlen. Was hat er gelebt, was war seine Botschaft an uns? Er lebte die Liebe und diese Qualität ist es, die auch uns leiten sollte und mit der wir unseren Tag beginnen und auch beenden sollten. Gar nicht so leicht!!!
Jeder Tag unserer Pilgerreise war angefüllt mit der Dankbarkeit, hier in der Stille der Natur sein zu dürfen, umgeben vom Rauschen der alten Steineichen in La Verna, begleitet vom Gesang der Vögel in dieser so besonderen Schönheit der Natur und im Einklang mit meinem Herzen zu sein und das zu feiern was ist: Das Leben!
Wenn man an so einem Punkt angelangt war wie ich, ist nichts mehr selbstverständlich und alles was man im gesunden Zustand gar nicht bemerkt, bekommt plötzlich eine Tiefe und eine Besonderheit und ich konnte einfach nicht anders als immer wieder „danke, danke, danke“ sagen.
Ich bat in meinen Gebeten immer wieder um Zeichen meiner himmlischen Begleiter und ich bekam sie auch: In der Höhle, in der der heilige Franz geschlafen hat, fand mein Mann ein Franziskuskreuz mit dem Bild des heiligen Pater Pio darauf. Pater Pio war ein Benediktinermönch und hat zu Lebzeiten ganz viele Wunder und Heilungen bewirkt. Meine Eltern, die Pater Pio sehr verehren, haben zu Beginn meiner Erkrankung an seinen Orden im Süden Italiens einen Brief geschrieben, in welchem sie um Fürsprache für meine Heilung gebeten haben und um den Segen des Heiligen.
Wir nahmen das Kreuz nicht mit, hatte es doch sicher ein anderer Pilger dort hingelegt, in der Hoffnung, dass auch seine Anliegen von dem heiligen Mann an diesem gesegneten Ort erhört werden.

In Assisi gibt es einen ganz besonderen Platz, der, trotz vieler Touristen, die sich in der Stadt tummeln, immer menschenleer ist. Es ist ein kleiner Marienaltar neben dem Kloster der Klarissinnen im Zentrum von Assisi. Zwei Bänke stehen dort und es ist eine Oase der Ruhe und des Friedens. Ab und zu steigt jemand die mittelalterlichen Stufen herauf, die zu diesem Refugium führen, wenige bleiben stehen, und so ist man nicht gestört in seinen Gedanken und Gebeten. Manchmal, wenn man zur richtigen Zeit hier verweilt, hört man den Gesang der Nonnen. Diese Töne legen sich wie ein Seidentuch um mich, hüllen mich ein und in besonderen Momenten habe ich die Möglichkeit, mein Herz sprechen zu hören.
ICH LIEBE DIESEN PLATZ!
Gestärkt, vertrauensvoll und aufgetankt mit neuen Lebensgeistern kam ich von unserer Assisireise nach Hause. In dieser wunderbaren Landschaft, eingehüllt in die Energie des heiligen Franz, konnte ich ganz zu mir kommen und fühlte mich eins mit meinem Herzen und meiner Seele. Ich sprach viel mit meinen geistigen Führern (von diesen habe ich mehrere und jeder oder jede, denn es sind auch Frauen darunter, hat seine eigene Bedeutung und Aufgabe).
Losgelöst vom Alltag und seinen Anforderungen fiel es mir immer leichter, mich aufs Wesentliche zu konzentrieren. Und das Wesentliche waren meine Heilung und der liebevolle und achtsame Umgang mit meinen Mitmenschen und der Schöpfung. Und das war mein Projekt Stunde für Stunde, Tag für Tag.
Das Jahr ging geruhsam zu Ende. Ich verspürte keine Schmerzen und meine grippalen Infekte, die ich noch vor meiner Diagnose drei- bis viermal im Jahr hatte, nahmen ab und ich war wesentlich gesünder als noch vor 2 Jahren. Anscheinend hatte sich mein Immunsystem erholt und die Entspannung, die Entschleunigung und die Vermeidung von Stress, so gut es nur ging, schienen mir gut zu tun. ich versuchte, mir immer wieder eine Auszeit zu gönnen und mit mir alleine zu sein. In der Stille der Natur konnte ich immer in meine Mitte kommen. Dieses empfand ich als ganz großes Geschenk!
Tagebucheintragung Ende 2013
„Ich will mich freuen und feiern, lachen und lieben und jeden Tag unserem Schöpfer und allen geistigen Helfern und Engelwesen dankbar sein für das Geschenk des Lebens und die Freude daran.“